Erdbeermund

6 06 2013

Kindheitserinnerungen

Als  Kind habe ich im Frühsommer die Erdbeeren sozusagen vorgeerntet. Sandig, halb grün von den Beeten, einfach im Garten „abgefressen“. Mutter dachte an Maikäfer und Engerlinge, doch an meinem Mund stand die Geschichte festgeschrieben. Da gab es dann ein paar Klopfer auf die ewig dreckige Lederhos’n, somit war geklärt, ab wann es Erdbeeren im Garten gab und wer das Recht hatte, die Saison zu eröffnen, sie sozusagen freizugeben.

Als „leider“ Einzelkind aufgewachsen, war es dann bei den wenigen Erdbeeren, die immer mit Sauerrahm und „Striezelzucker“ auf den Tisch kamen, natürlich von Vorteil. Als Erstes wurde ich liebevoll am Ohrläppchen gezogen, was soviel bedeutete, wie „Heuriges“ aus unserem Garten! Danach ein kleiner Mutter-Word-Rap: Ananas-Erdbeere (Ananas, ursprünglich aus Amerika stammend, musste Mitte der 50er Jahre also sehr gut sein).

Sehr gesund trotz 95 % Wasser – die Römerquelle wurde gerade erst erfunden, gab es nur in Boutiquen, also im Lagerhaus. Voller Vitamin C, ein Rosengewächs, ach wie spannend für den Kleinen … fragaria ananassa … Kalium, Calcium, Magnesium gegen Muskelkrämpfe. Wer hat die schon als achtjähriger professioneller Räuber- und Gendarm-Spieler? Ständig auf der Jagd in Kirschbäumen und Erdbeerfeldern, Folsäure und Eisen, ganz wichtig für die dynamische Brut und Mutters Figur schlankmachend, da darf’s dann schon ein Löfferl Zucker sein.

Heute ist Riedenthal die verschlafene kleine Hauptstadt von Erdbeerland, A5-Abfahrt Wolkersdorf Nord … Kronberg, wo die schwarzen Krexner Galloway Bio-Rinder weiden, hinter den Kühen beim Gotti Romsdorfer, selber pflücken oder lassen.

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